Die Vorstellung, bei der Arbeit plötzlich mit einer Waffe bedroht zu werden, löst bei vielen Menschen starkes Unbehagen aus, und das völlig zu Recht. Wir leben zwar noch nicht in einem Land, in dem man scharfe Waffen in einem Supermarkt kaufen kann wie in anderen Ländern, dennoch ist es natürlich möglich, legal oder illegal an solche Waffen zu kommen.
Zwar sind viele Waffen, die bei Überfällen eingesetzt werden, Nachbildungen oder Attrappen. Doch im Ernstfall kann niemand beurteilen, ob es sich um eine echte Waffe handelt oder nicht. Umso wichtiger ist es, dass Arbeitsplätze in besonders gefährdeten Bereichen mit sicherer, beschusshemmender Technik ausgestattet sind.
Schutz durch Technik – mehr als nur Sicherheitsglas
Vor allem in Banken, Behörden oder Tankstellen kommt heute längst Sicherheitsglas zum Einsatz. Doch wie sicher ist dieses Glas wirklich? Kann es im Ernstfall einem Schuss standhalten? Genau hier kommen Beschussklassen ins Spiel. Dabei handelt es sich um klar definierte Sicherheitsstufen, die festlegen, welchen Belastungen Bauelemente wie Fenster, Türen oder Durchreichen standhalten müssen.
Für besonders gefährdete Arbeitsbereiche gelten dabei verbindliche Vorschriften. So müssen zum Beispiel Bankangestellte durch bauliche Maßnahmen wie durchschusshemmende Abtrennungen geschützt werden, geprüft und zertifiziert nach europäischen Normen.
Die Europäische Norm EN 1522 – was sie regelt
Die Norm EN 1522 legt die Anforderungen und Prüfverfahren für durchschusshemmende Bauteile wie Türen, Fenster, Rollläden oder Schiebemulden fest. Dabei wird getestet, wie gut ein Bauteil verschiedenen Waffentypen und Kalibern standhält. Auch die Konstruktion selbst, also z. B. der Rahmen oder die Verschlüsse, wird in die Bewertung einbezogen.
Für verbaute Verglasungen gilt zusätzlich die Norm EN 1063. Sie beschreibt die Prüfung von beschusshemmendem Glas und legt ebenfalls Beschussklassen fest. Beide Normen zusammen sorgen dafür, dass Bauteile zuverlässig auf ihre Schutzwirkung geprüft und klassifiziert werden.
Was bedeuten die Beschussklassen?
Die Klassifizierung erfolgt in sieben Beschussklassen (FB1 bis FB7) – je höher die Zahl, desto größer der Widerstand gegen stärkere Waffen und Kaliber:
- FB1: Schutz gegen Kleinkaliberwaffen
- FB4: Schutz gegen die am häufigsten verwendeten Faustfeuerwaffen
- FB6 und FB7: Schutz gegen Gewehre mit hoher Durchschlagskraft
Zusätzlich wird bei der Prüfung dokumentiert, ob Splitter auf der Innenseite des getesteten Elements auftreten. Das wird mit folgenden Kürzeln ergänzt:
- S = Splitterabgang vorhanden
- NS = kein Splitterabgang (non-splintering)
Ein Bauelement mit der Bezeichnung FB4 NS schützt also vor Beschuss mit einer Faustfeuerwaffe, ohne dass Splitter auf die geschützte Seite gelangen. Dieser Zusatz ist besonders wichtig, um auch Verletzungen durch Splitterflug zu verhindern.
Einsatzbereiche weit über Banken hinaus
Beschusshemmende Elemente sind längst nicht mehr nur in Banken zu finden. Auch Tankstellen, Apotheken, Stadien, Behörden oder Kassenbereiche in Supermärkten setzen heute auf geprüfte Sicherheit. Produkte wie Schiebemulden oder Durchreichen können in verschiedenen Beschussklassen gefertigt werden, je nach individuellem Risiko und Anforderung.
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